Fünfter Gig – Spuk im Schloss

Liebes Tagebuch, gestern habe ich Blockflöte spielen gelernt. Und bin dann gleich direkt damit aufgetreten. In einem Schloss. In der kompletten Einöde. Wie es dazu kam?

Drei Tage vorher wurde ich spontan angefragt, ob wir nicht am Freitag Abend auf einem kleinen Rave spielen wollen. Ein Freund von uns ist adelig – das gibt es noch, sie haben nur zum Glück nicht mehr ganz so viel Macht wie früher.

Aber er ist in einem Schlösschen aufgewachsen, dass über 700 Jahre alt ist. Seine Eltern wohnen da noch – weil die aber grade ausgeflogen waren, hat er einen kleinen Rave veranstaltet. Zu den besten Zeiten waren so 70 Leute da, war ne coole Party.

Phant hinter dem DJ-Pult, zwischen Antifa-Fahne und Ahnenportraits.
Die Deko reichte von Antifa-Fahnen über neon-bunte Goa-Tücher bis zu Ahnenportraits.

Wir haben natürlich nicht zu den besten Zeiten gespielt. Wir hatten nur eine halbe Stunde und konnten nur 7 Songs spielen. Wir waren als erstes dran, als noch kaum jemand da war. Und Cyberpunk ist halt nicht grade das, was die ganzen Goa-Kids und Techno-Hänger erwartet hatten. Es sind ständig Leute rein und raus, höchstens sieben Leute gleichzeitig.

Aber wenn wir Musik für andere Leute machen würden, könnten wir ja gleich mit Proben anfangen – wir experimentieren eben lieber rum und schauen, dass wir Spaß dabei haben.

Von Tuten und Blasen

Ein Teil davon ist, dass wir nie zwei Mal mit dem selben Set an Instrumenten auftreten. Sonst könnte man ja sagen, dass wir bei jedem Auftritt für den nächsten proben, und wir proben nicht.

Wir hatten schon einen E-Bass, nur den Synthie, eine E-Gitarre, und eine Akustik-Gitarre – langsam wird es schwierig, sich etwas neues auszudenken. Erst recht, wenn man nur drei Tage Zeit hat…

Ich bin das Einzige meiner Geschwister, das nie Blockflöte spielen gelernt hat – bis gestern. Das einzige Instrument, das wir so kurzfristig auftreiben konnten, war eine Blockflöte. Nun, so schwer kann das ja nicht sein, oder?

compl4xx hat eine Blockflöte im Mund.
Von der Redaktion nachgestellt.

Das Pusten und Blasen hatte ich schnell raus, und die Griffe findet man mit DuckDuckGo jederzeit. Bis Abends hatte ich ein paar Melodien raus, und auch während dem Auftritt hat es hervorragend geklappt.

Das einzige Problem: ich dachte, dass der Sound bei einer Flöte unten herauskommt, und habe sie mit einer Hand gespielt (reicht für C, D, A, und H), und mit der anderen ein Mikro drunter gehalten. Erst so in der Mitte fand ich heraus, dass der Sound aus dem Loch oben vorne kommt – und plötzlich haben auch andere die Flöte gehört!

Poltergeister am aufräumen

Insgesamt hat es schon sehr viel Spaß gemacht. Aber am witzigsten war fast der nächste Tag, als wir das ganze Schloss wieder aufräumen mussten, damit die Eltern nichts merken, wenn sie wiederkommen.

Jemand klettert mit einer langen Leiter durch ein Fenster im ersten Stock des Schlösschens.
Weil jemand den Toilettenschlüssel im Klo vergessen hat, mussten wir am nächsten Morgen übers Fenster einsteigen.

Ahnengemälde, komische Vasen, verstaubte Schränke und Tische, alle mussten wieder genau an den Platz zurück, an dem sie waren, bevor elektronische Musik, Drogenmissbrauch, und neonfarbene Deko die jahrhundertealte Ordnung gestört hatten.

Wenn sie in ein paar Tagen wiederkommen, werden sie ihr Schlösschen vorfinden wie immer – nur das alle Möbel ein kleines bisschen anders stehen als vorher. Und sie werden sich fragen, was falsch ist, warum es sich komisch anfühlt. Aber welche Geister hier gespukt haben, werden sie nie herausfinden.


Update 25.9.: der Gastgeber hat erzählt, dass sie tatsächlich nichts von der Party gemerkt haben. Nice.

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